
Warum eine gute Strategie in schwierigen Phasen nicht mehr reicht
„Wir befinden uns in einer schwierigen Phase, aber wir haben eine gute Strategie und ziehen diese durch.“ Dieser Gedanke ist weit verbreitet. Und auf den ersten Blick wirkt er überzeugend. Hier liegt jedoch ein häufiger Denkfehler.
Schwierige Phasen verändern die Rahmenbedingungen
Strategien werden unter bestimmten Annahmen entwickelt. Sie basieren auf erwartbaren Entwicklungen, verfügbaren Ressourcen und einem gewissen Planungshorizont. In schwierigen Phasen verändern sich diese Rahmenbedingungen jedoch deutlich. Zeit wird zum kritischen Faktor. Entscheidungen müssen schneller getroffen werden, oft auf Basis unvollständiger Informationen. Gleichzeitig steigt der Handlungsdruck, da die Stabilisierung des Unternehmens nicht warten kann. Damit verändern sich auch die Anforderungen an die Führung des Unternehmens.
Was in solchen Situationen entscheidend wird
Unter normalen Umständen liegt die Herausforderung in erster Linie darin, eine gute Strategie zu erarbeiten. In der Praxis gibt es mehr Unternehmen mit mittelmässigen bis schlechten Strategien, als solche mit guten Strategien. Es müssen die richtigen Fragen gestellt, die Herausforderungen erkannt, die richtigen Ziele gesetzt und Umsetzungspläne erarbeitet werden. Eine gute Strategie zu entwickeln ist eine zeitintensive Arbeit, die sich jedoch lohnt, wenn sich das Unternehmen in einer soliden Lage befindet.
In schwierigen Phasen verschiebt sich jedoch der Fokus. Erstens steht nicht die Zeit zur Verfügung, um eine umfassende Analyse vorzunehmen, auf welcher gute Strategien aufbauen. In solchen Phasen müssen Analysen nach dem 80/20-Prinzip vorgenommen werden, weil die Zeit zu einem entscheidenden Faktor wird. Und zweitens rücken Massnahmen mit kurzfristiger Wirkung in den Vordergrund, um das Unternehmen zu stabilisieren.
Die Rolle der Strategie verändert sich
Das bedeutet nicht, dass Strategie in schwierigen Phasen unwichtig wird. Eine gute Strategie bleibt ein Vorteil, insbesondere wenn sie zur aktuellen Situation passt. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass bestehende Strategien auf Wachstum oder langfristige Entwicklung ausgerichtet sind und in einer akuten Phase zu kurz greifen. Der Fokus verschiebt sich dann zwangsläufig auf kurzfristig wirksame Massnahmen zur Stabilisierung des Kerngeschäfts und der finanziellen Situation. In vielen Fällen ersetzt damit ein Turnaroundkonzept die Unternehmensstrategie als relevante Grundlage, bis sich das Unternehmen stabilisiert hat.
Umsetzung rückt in den Vordergrund
Sobald klar ist, welche Massnahmen umgesetzt werden müssen, um die schwierige Phase zu überwinden, kommt die grösste Herausforderung auf das Unternehmen zu: Die Umsetzung. Prioritäten müssen klar gesetzt werden. Ressourcen müssen konsequent auf wenige Themen fokussiert werden. Fortschritte müssen aktiv gesteuert und Abweichungen korrigiert werden. Unter Zeitdruck verstärken sich typische Umsetzungsprobleme zusätzlich.
Führung wird zum entscheidenden Faktor
An diesem Punkt wird Führung zentral. Führung bedeutet in dieser Situation, Prioritäten zu setzen, Entscheidungen zu treffen und die Umsetzung aktiv zu steuern. Sie sorgt dafür, dass Massnahmen nicht nur definiert, sondern tatsächlich umgesetzt werden. Führungskräfte müssen näher dran sein, Dringlichkeit vermitteln, mehr fordern, aber auch selber mehr leisten. Nur wer mit gutem Beispiel vorangeht, kann auch mit höheren Leistungen von Mitarbeitenden rechnen. Und diese sind in der Regel notwendig, um das Unternehmen aus der schwierigen Phase zu bringen.
Auch die Kommunikation wird zu einem wichtigen Führungsinstrument. Sie schafft Orientierung, reduziert Unsicherheit und sorgt dafür, dass die Organisation in die gleiche Richtung arbeitet. Regelmässige und transparente Kommunikation ist in solchen Phasen zentral. Unangenehme Themen müssen angesprochen und der Dialog mit der Belegschaft regelmässig gesucht werden.
Fazit
In stabilen Phasen kann eine gute Strategie den Unterschied machen. In schwierigen Phasen verändern sich jedoch die Rahmenbedingungen und damit auch, was für den Erfolg entscheidend ist. Die Herausforderung liegt dann weniger in der Frage, wohin sich das Unternehmen entwickeln soll, sondern darin, ob es gelingt, die richtigen Massnahmen unter Zeitdruck umzusetzen.
Führung wird damit zum entscheidenden Faktor.
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